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Medical Well Clinic Dresden hilft bei behindernden (Brand) Narben

veröffentlicht um 05.02.2015, 12:32 von Michael Meinking   [ aktualisiert: 25.03.2020, 14:56 ]

Der TV-Sender MDR brachte die Dokumentation einer Patientin, die nach einer Brandverletzung eine Leidensgeschichte mit insgesamt 45 Operationen, davon 9 OPs am Hals, und sehr schmerzhaften Verbandswechseln sowie zum Teil lebensgefährlichen Infektionen in einem Zentrum für Brandverletzte durchgemacht hatte. Es resultieren u.a. einengende Narbenstränge, die eine Beweglichkeit des Halses einschränken. Die Halswirbelsäule schmerzt. Die Möglichkeiten der üblichen Chirurgie bei Brandverletzten sind erschöpft. Die letzte durchgeführte Maßnahme – die Transplantation von Kunsthaut – war wegen einer Infektion fehlgeschlagen.

Zu diesem Zeitpunkt stellte sich die Patientin erstmalig in unserer Klinik vor.
Wir haben einen therapeutischen Kurswechsel eingeschlagen. Eine bereits seit etwa zehn Jahren gut erforschte Möglichkeit der Behandlung drängte sich auf: Das chirurgische Needling, das Privatdozent Dr. Matthias Aust durch seine wissenschaftliche Arbeit in Deutschland publik gemacht hat. Seit Februar 2011 ergänzen wir das Needling mit Wachstumsfaktoren aus Thrombozyten und Stammzellen aus eigenem Fettgewebe. Die Präparation der Zellen wird im Klinik eigenen Reinraumlabor im OP-Saal durchgeführt. Mit dieser Kombination machen wir ausnahmslos gute Erfahrungen. Kontrakte (harte und verkürzte) Brandnarben werden weicher und dehnbarer. Sie ändern ihre Farbe von weißlich grau zu frischer Hautfarbe. Sie bekommen Gefühl und wandeln sich so weit in eine funktionsfähige Haut um, dass selbst die Talgproduktion und die Transpiration wieder beginnen. Auch konnten wir eine Bräunung in der Sonne beobachten. Das alles sind Funktionen, zu denen nur eine gesunde normale Haut in der Lage ist. Die wieder erlangten Funktionen beweisen den Umbau von Narbe in Richtung Hautgewebe. Unsere klinischen Beobachtungen bestätigen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet. Darum gab es für uns keinen Zweifel, der Patientin dieses Maßnahmen-Paket als nächsten Schritt vorzuschlagen.

Wie erwartet, hatte sie nach der Operation keine Schmerzen, nur ein leicht brennendes Gefühl für 2-3 Tage. Schmerzmittel benötigte sie nicht. Schmerzbelastete Verbandswechsel entfielen völlig. Sie muss die behandelten Flächen regelmäßig dreimal am Tag mit einer speziellen Creme (Korneotherapie nach Prof. A. KLIGMAN) leicht massieren. Schon unmittelbar nach der Operation fühlte die Patientin eine Zunahme der Beweglichkeit ihres Halses. Nach zwei Tagen gibt es keine offene Wunde mehr. Sie konnte wieder duschen. Etwa zwei Wochen nach dem Eingriff bemerkte sie weitere positive Veränderungen. Die Narben wurden weicher. Nach ungefähr drei Monaten wird sie eine zunehmende Dehnbarkeit des gesamten Narbengebietes und damit auch eine zunehmende Beweglichkeit in der Halswirbelsäule bemerken. Nach etwa sechs Monaten wird die Narbenplatte ihr Aussehen verändern und immer weniger auffällig sein. Nach etwa zwei Jahren ist der mit Needling, Wachstumsfaktoren und Stammzellgabe induzierte regenerative Vorgang weitgehend abgeschlossen.

Die Fernsehdokumentation wurde auf Wunsch der Patientin erstellt, weil sie anderen Brandopfern ihren Leidensweg ersparen möchte. Andere Krankenhäuser (Leistungsanbieter) bekommen hoffentlich die Idee, diese Therapieform in ihr Angebot zu übernehmen. Inzwischen (März 2020) gibt es mehr als 1.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen, die sich mit den Ergebnissen nach regenerativer Therapie von Narben beschäftigen und mehrheitlich zu guten Ergebnissen kommen.

Der Patientin ging es sofort nach dem Aufwachen aus der Narkose gut, ihr Kreislauf stabil und sie hatte keine Schmerzen. Schon vier Stunden nach der Operation wurde sie entlassen. Dabei bemerkte sie bereits eine Zunahme der Beweglichkeit ihres Halses. 

Wenn Sie mehr über dieses Verfahren erfahren wollen, schreiben Sie an narbe@medical-well.de mit der Bitte um weitergehende Informationen.

Dr. med. Michael Meinking

Leitender Arzt der Klinik

 

Anmerkung Dr. Meinking:

Die neuzeitlicheTherapie der Brandverletzungen setzt bereits in den ersten Minuten nach dem Unfall ein. Die Wundflächen sollen

A) sofort bei etwa 17° gekühlt, dann

B) im Krankenhaus bei 37° mit einer biologisch verträglichen antiseptischen Lösung abgedeckt und die Patienten

C) mit niedrig dosiertem Erythropoetin - systemisch angewandt - behandelt werden.

Die geringe Epo-Dosierung provoziert keine gefährlichen Nebenwirkungen (in Folge Eindickung des Blutes) und behindert darum nicht den Blutkreislauf.

Mit den drei Therapiemaßnahmen A) – C) wird das "Nachbrennen" in den ersten 2-3 Tagen nach einem Brandunfall (bei dem auch tiefer liegende Hautschichten in Mitleidenschaft gezogen sein können) reduziert. Die Notwendigkeiten von Hauttransplantationen, Hautentnahmen und schmerzhaften Verbandswechseln werden darum wesentlich reduziert, manchmal sogar überflüssig.

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